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Alte italienische Lustspielfiguren bevölkerten, herbeigerufen durch das lebendige Spiel des Orchesters, am Montagabend das Podium des Basler Musiksaals. Spannend, einmal die beiden zeitverwandten, doch so wesensverschiedenen Italien-Einakter im Doppelgespann auf die Bühne zu bringen. Da waren sie also wieder, der listige Tunichtgut Pulcinella mit Spitzhut und Maske und der hier brutale, dort die Frauen ansäuselnde Harlekin. Am sinfonietta-Abend zu Saisonschluss galt nun die Devise: Bühne frei für das imaginäre Theater in den Köpfen des Publikums! Eine zukunftsweisende Idee, die drei frischen, im Basler Opernstudio "OperAvenir" geschulten "Pulcinella"-Stimmen (Solenn' Lavanant-Linke, Eugene Chan, Carlos Osuna) im "Arlecchino" um fähige Stimmen aus der näheren Regio zu einem prächtigen Quintett zu bereichern (Jin Seok Lee, Michael Leibundgut). Roberto Gionfriddo gab, theatralisch auftrumpfend, den mehr sprechenden als singenden Harlekin.
Basler Zeitung
Ausgezeichnet gelang Busonis Operneinakter "Arlecchino". Das vom Komponisten selbst gedichtete Libretto ist von einigem Sprachwitz, und auch die Musik hat Geist, kommentiert nicht selten ironisch das Handeln der Figuren und gipfelt in einer Verdi-Parodie. Die Titelfigur ist eine Sprechrolle, allerdings teilweise genau notiert, und so war es sinnvoll, einen Sänger dafür zu engagieren. Der Tenor Roberto Gionfriddo gestaltete sie überaus lebendig. Auch die übrigen Rollen waren ausgezeichnet besetzt. Solenn' Lavanant-Linke war eine sehr präsente Colombina mit viel Sinn für parodistische Zwischentöne. Carlos Osuna als Liebhaber konnte Kraft und Stimmglanz ausspielen. Als buffoneskes Trio brillierten Eugene Chan und die profunden Bässe Michael Leibundgut und Jin Seok Lee. Und die sinfonietta-Musiker brachten den Orchesterpart zu geschliffenem, prächtig klingendem Leben.
Basellandschaftliche Zeitung
Bei ihrem Gastkonzert präsentierte die basel sinfonietta die gesamte "Pulcinella"-Ballettmusik mit Gesang, die im Gegensatz zur kürzeren Orchester-Suite nur selten aufgeführt wird. Auch heute noch ist Strawinskys freche, verfremdete Bearbeitung mit Vergnügen zu hören, wenn man als Zuhörer ständig auf eine falsche Fährte geführt wird, das Metrum aus dem Tritt gerät und wie im "Vivo" die Posaune auch mal rülpsen darf. Bei den Solisten des Basler Opernstudios "OperAvenir" gefallen Solenn' Lavanant-Linke mit schlankem Mezzosopran und Eugene Chan mit gut geführtem Bariton. Wie Strawinskys "Pulcinella" geht auch Ferruccio Busonis Einakter "Arlecchino" auf die Commedia dell'arte zurück. Busoni wirft mit diesem "theatralischen Capriccio" ebenfalls einen distanzierten Blick in die Vergangenheit und setzt sich auf parodistische Weise mit der Operngeschichte auseinander. Das ist Musik mit doppeltem Boden, die mal nach Mozart, mal nach Rossini klingt - und in den von der basel sinfonietta brillant gespielten Zirkusmärschen auch schon groteske Züge à la Schostakowitsch erhält. Und da die Solisten auch hier sehr musikalisch agieren und die basel sinfonietta den Humor Ferruccio Busonis auf den Punkt bringt, wird dieser "Arlecchino" sehr lebendig.
Badische Zeitung