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Salzburger Festspiele 2011
Die basel sinfonietta unter Steven Sloane bot eine musikalisch perfekte konzertante Aufführung von Morton Feldmans Oper "Neither".
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Vor zwei Wochen gastierte die basel sinfonietta mit diesem Programm bei den Salzburger Festspielen und bekam beste Kritiken. Zu Recht, wie man nun auch im Stadtcasino hören konnte. Einmal mehr zeigten sich die Orchestermusiker unter ihrem amerikanischen Gastdirigenten Steven Sloane als klangpräzise und feinfühlige Interpreten moderner Musik. Es nötigte Bewunderung ab, wie klanglich luzide und hellhörig die Sinfonietta und ihre Vokalsolistinnen sich durch diese anstrengenden Partituren bewegten.
Geradezu eine Tour de Force für den Solosopran ist die Extrem-Partie in Morton Feldmans "Neither" (übersetzt: "Weder-Noch"). In der finnischen Koloratursopranistin Anu Komsi hatte die Sinfonietta eine grandiose Interpretin für diese in extrem hoher Stimmlage angesetzte Partie, gegen die Verdi- oder Wagner-Arien der reinste Spaziergang sind. Es war sensationell, wie Anu Komsi mit ihrem kristallklaren Sopran in höchsten Lagen und lang gehaltenen Tönen eine Aura des Schwebenden, Schwerelosen erzeugt.
Wie die basel sinfonietta diese Reflexionen über den Beckett-Text, diese feinsten Bewegungen, Veränderungen und dynamischen Schattierungen mit geschärftem Klangsinn auslotete, war eine Meisterleistung. Über eine Stunde hielten sie eine konzentrierte Spannung in dieser Musik, in der die Zeit stillzustehen scheint, einer Musik, die Klangwirkungen von geheimnisvoller Schwerelosigkeit, von Schwebezuständen, Ruhe und Entschleunigung vermittelt und nahezu verschwebend verklingt. Die Beifallstürme und der Jubel, der der basel sinfonietta und vor allem Anu Komsi entgegenbrandeten, waren vollauf verdient.
Badische Zeitung
Ein einsamer Sopran dehnt Becketts Worte in langen, sich wiederholenden Tönen, in höchsten Lagen zwischen minimalen Intervallen pendelnd. Der Text gerinnt somit zu Klang, zerfranst in flirrende und stehende Vokallaute. Die Sopranistin Anu Komsi balancierte bewundernswert präzise durch diese geradezu mörderische Aufgabe, begleitet durch die famose Basel Sinfonietta unter dem Dirigenten Steven Sloane. Das Ensemble hatte davor schon beim programmatischen Gegenpart des Abends begeistert, in Gérard Griseys „L'Icône paradoxale“. Die Kollegienkirche erwies sich wieder einmal als ein idealer Ort, um die magischen Klangballons der Moderne steigen zu lassen.
Die Presse
Als Hauptstück figurierte in diesem Jahr u. a. Morton Feldmans Anti-Oper „Neither“ auf Beckett in einer packenden konzertanten Aufführung durch die von Steven Sloane geleitete basel sinfonietta mit der luziden Sopranistin Anu Komsi. Irisierende Klänge begegnen uns auch in Gérard Griseys "L’Icône paradoxale". Sie hallen noch lange, nachdem wir das Gotteshaus verlassen haben, nach.
Frankfurter Rundschau
Mit seinem Einakter „Neither“ (dt: „Weder“ oder „Keiner von beiden“) hat US-Komponist Morton Feldman 1977 eine Antioper geschrieben. Ein Musiktheater, das sich jeder Theatralik verweigert. Die Uraufführung in Rom soll 1977 mit überfordertem Lachen geendet haben, in Salzburg herrschte hingegen konzentrierte Spannung – und danach verdienter Jubel für Anu Komsi als großartige Antiopernheldin sowie für die basel sinfonietta und ihren Dirigenten Steven Sloane für eine brillante Umsetzung der Partitur.
Salzburger Nachrichten
Mit Begriffen wie Rezitativ und Arie kommt man nicht weiter. Auch nicht mit einem Begriff wie Libretto angesichts der genau 87 Wörter, die Samuel Beckett spendiert hat für Morton Feldmans Operneinakter für Sopran und Orchester „Neither“. Die „basel sinfonietta“, treue Gäste seit Anbeginn der Kontinent-Reihen der Festspiele, hat unter der Leitung von Steven Sloane gestisch starken Klangsinn vermittelt. Das Streicher-Spiel ohne Vibrato der „basel sinfonietta“, die vom Dirigenten präzise vermittelten Spannungsbögen, die silberhell-klare Stimme der finnischen Koloratursopranistin Anu Komsi – das alles hat in Summe für 55 Minuten vom Raum Besitz genommen. Oper, klar, was sonst?
Zuvor, zeitlich viel knapper, aber in der Gestik entschieden ausufernder, „L’icone paradoxale – Hommage à Piero della Francesca“ von Gérard Grisey: Man braucht eine Weile, um die oft auf (beinah) gleicher Tonhöhe sich abwechselnden und überschneidenden Haltetöne der beiden Sängerinnen (Anna Palimina, Lani Poulson) auseinander zu halten, wie auch das Wahrnehmen der Unterschiede in den beiden Orchesterhälften hohe Aufmerksamkeit voraussetzt. Letztlich gewinnt fürs Publikum die Suggestivkraft dieser Komposition Oberhand über alle Neugier nach dem Konstruktiven. Und suggestiv packend war auch die Wiedergabe.
Wiener Zeitung
Das Basler Publikum darf sich freuen. In diesem Jahr wird die basel sinfonietta ihr Konzert an den Salzburger Festspielen zum Saisonstart integral auch hier im Stadtcasino spielen. Es war ein grosser Abend, den das 94-köpfige Orchester unter dem amerikanischen Dirigenten Steven Sloane in der Kollegienkirche gab. Das Publikum feierte nach der starken Wiedergabe von "L’Icône paradoxale" und "Neither" das Orchester, die Sängerinnen Anu Komsi, Anna Palimina und Lani Poulson sowie den Dirigenten.
Zu Feldmans fast einstündiger Anti-Oper "Neither" schrieb Samuel Beckett das Libretto: ein Gedicht von 87 Worten. Wie der Text ist die Musik Feldmans, die das Tonmaterial äusserst reduziert. Die Sopranstimme bewegt sich in höchsten Lagen im engsten Bereich. Anu Komsi gestaltete die schwierige Partie grandios und ergreifend. Sie gab den Klängen grosse Intensität und sang mit luzider Klarheit. Meisterhaft spielte die basel sinfonietta. Steven Sloane erwies sich als ein hervorragender Dirigent auch für dieses Werk. Er entfaltete die Partitur mit äusserster Konsequenz, machte im langsamen Tempo keine Kompromisse und hielt mit dem hoch konzentriert spielenden Orchester jederzeit die Spannung. Zum vierten Mal präsentierte sich die sinfonietta an den Salzburger Festspielen als hochkompetenter Interpret zeitgenössischer Musik.
Basellandschaftliche Zeitung
Salzburger Festspiele 2009
In den Orchesterwerken "Metastaseis" und "Jonchaies" hat Iannis Xenakis, Schüler Messiaens und Mitarbeiter Le Corbusiers bei der Brüsseler Weltausstellung 1958, eine Sprache kollektiv verdichteter, unerhört spannungsgeladener Glissandokünste entwirckelt. Bravourös die basel sinfonietta unter Jonathan Stockhammer.
Süddeutsche Zeitung
Schon allein für "Jonchaies", ein grandioses, selten zu hörendes Orchesterwerk, hätte es sich gelohnt, nach Salzburg zu kommen. Es war ein aussergewöhnliches Auftaktkonzert.
Bayern 4 Klassik, Bayerischer Rundfunk
Dass Iannis Xenkais von Varèse entscheidende Impuls empfing, ist kein Geheimnis. Die Orchesterwerke "Metastaseis" und "Jonchaies" mit der eindrücklichen basel sinfonietta unter Jonathan Stockhammer demonstrierten, dass Xenakis vor allem in seinen klanglichen Imaginationen Varèses Klangerfahrungen weitergeschrieben hat.
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Stücke wie Iannis Xenakis' "Metastaseis" oder "Jonchaies" sind auch nach dreissig und mehr Jahren Herausforderungen. Die riesig besetze basel sinfonietta unter der Leitung des Amerikaners Jonathan Stockhammer hat dieses Experimental-Tableau so opulent wie klang-rauschhaft in Szene gesetzt. Es war, keine Frage, eine Massstäbe setzende Aufführung.
Wiener Zeitung
Xenakis' Werke "Metastaseis" und "Jonchaies", das Xenakis selbst als "Binsendickicht" bezeichnete, spielte die basel sinfonietta unter Jonathan Stockhammer als berückend bedrängende Kontrast- und Klangexpansionen. Sensationell.
Kronen Zeitung
Die basel sinfonietta unter der souveränen Leitung Jonathan Stockhammers spielte "Metastaseis" für sechzig Instrumentalisten, ein ruhiges, glissando-gesättigtes, flächiges Stück, und mit einer Hundertschaft an Mitwirkenden "Jonchaies", in dem Xenakis nicht nur quasi von flimmernden Höhen herab Klangflächen sich ausweiten lässt, sondern auch für geordnetes, brodelndes Chaos sorgt und einen grossen motorischen Sog aufbaut mit markanten Beiträgen etwa der Hörner, Posaunen und Schlagwerker.
Salzburger Nachrichten
Riesenbegeisterung in der Felsenreitschule nach fast vier Stunden. Giacomo Manzonis "Masse" mit der bewährten basel sinfonietta, eine Varèse-Hommage für Klavier und Orchester bei der sich Nicolas Hodges als glänzender Solist in die extrem komplizierte Schlacht warf, stellte eine veritable Hörherausforderung inmitten von kulinarischer Fetzigkeit dar.
Die Presse
Die basel sinfonietta hält mit den besten Klangkörpern für Neue Musik mit. Sie setzte die ungemein komplexe Partitur der beiden Xenakis-Werke "Metastaseis" und "Jonchaies" unter dem US-amerikanischen Dirigent Jonathan Stockhammer vital und präzis in Klang. Das Spiel der basel sinfonietta war von hoher Intensität. Bravourös meisterte die Hundertschaft noch die kniffeligste Stelle. Die Instrumentengruppen - von den Streichern über die Holzbläser- und Blechbläsergruppen bis zu den Schlagzeugern - entfalteten den grossen Klangfarbenreichtum und die emotionale Kraft von Xenakis Musik.
Mit freudigem Staunen stellen wir fest, dass hier in Salzburg so anspruchsvolle Konzerte mit Neuer Musik sogar in der 1500 Zuschauer fassenden Felsenreitschule ausverkauft sind.
Basellandschaftliche Zeitung
Auf dem Programm des Konzerts standen zwei Orchesterstücke von Iannis Xenakis: das noch moderat besetzte "Metastaseis" und das rund 20 Jahre später entstandene "Jonchaies" für 109 Musiker in hervorragender Interpretation. Nicht minder euphorisch gingen die Gäste aus der Schweiz an Giacomo Manzonis "Masse" heran, eine Art Klavierkonzert, in dem Varèses Schlachtruf von der Befreiung des Klangs tatsächlich Programm ist.
Oberösterreichische Nachrichten
Salzburger Festspiele 2008
Der erste Teil des Konzerts führte zu einer Sciarrino-Station auf seinem Kontinent, wo mit der basel sinfonietta unter der versierten Leitung von Fabrice Bollon Sphärenklänge verabreicht wurden. "Introduzione all'oscuro" benötigt zwölf Instrumente, die nur in Ansätzen ihrer eigenen Bestimmung zugeführt werden. Eine Posaune dient als Windmaschine, der Hornist atmet durch sein Instrument, die Geigen mit Flageolett-Trillern erzeugen vorbeihuschende Geistererscheinungen. Ein Spinnennetz ist ein blickdichter Store gegen das zarte Gespinst, das Sciarrino auswirft.
Salzburger Nachrichten
Die venezianische Mehrstimmigkeit von Luigi Nonos "No hay caminos, hay que caminar ... Amdrej Tarkowskij" wurde in der Wiedergabe durch die basel sinfonietta unter Fabrice Bollon auf geradezu kulinarische Weise neu belebt.
Der Standard
Salzburger Festspiele 2007
(…) Das Publikum im Kirchenschiff wird schier überflutet und fortgeschwemmt von den mächtigen Energieströmen der Orchesterstücke, die die basel sinfonietta unter Jürg Wyttenbach in der Kollegienkirche aufführt. Wyttenbach und seine hervorragenden Musiker wölben in „Pfhat“, einer Komposition für gemischten Chor, dreimanuale Orgel, Orchester und 60 Glöckchen unentwegt schwere Klangmassen auf, bis in einem minutenlangen gellenden Glöckchentremolo der Himmel zum Nirvana der Erleuchtung aufreisst.
Die Zeit, 23.8.2007
(…) Man meint tatsächlich mit Händen greifen zu können, wie sich hier Grenzen auflösen zwischen Hochkultur und Avantgarde. Man kann es sogar sehen, manifestiert beispielsweise in der Person Alfred Brendels, der gekommen ist, um sich das Scelsi-Meditationsstück „Pfthat – Ein Blitz“ anzuhören, famos gespielt von der basel sinfonietta unter der Leitung von Jürg Wyttenbach. (…) Das Beste an diesem „Kontinente“-Jahrgang aber war die Aufführung von „Les Espaces Acoustiques“ von Gérard Grisey, worin schrittweise das Obertonspektrum ausgelotet wird und damit zugleich der musikalische Raum erobert wird, auf den Punkt präzise interpretiert von der basel sinfonietta unter Stefan Asbury.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.08.2007
Strahlende Gesichter auf dem Podium, Begeisterung im Publikum: Nach dem Auftakt mit Scelsi wurde auch der zweite Auftritt der basel sinfonietta bei den Salzburger Festspielen mit Gérard Griseys sechsteiligem Instrumentalzyklus «Les Espaces acoustiques» unter Stefan Asbury zum Triumph für die Basler Musiker und ihren Dirigenten. (…) Wie schon zuvor in Basel schien das Orchester förmlich über sich selbst hinauszuwachsen und verlieh Griseys Musik Spannung, Intensität und leuchtkräftige Farben. Das Publikum jubelte und die Musiker feierten demonstrativ ihren Dirigenten.
Basellandschaftliche Zeitung, 11.08.2007
(…) Mit Beginn der „Périodes“ traten dann auch die Musiker der basel sinfonietta auf den Plan, die, auf einem soliden Streicherfundament aufbauend, auch diesmal ihren Ruf als Spezialisten für zeitgenössische Angelegenheiten bestätigten. (…)
Salzburger Nachrichten, 11.08.2007
(…) Am Mittwoch in der Kollegienkirche ein Aufbruch in die "Espaces Acoustiques", mit der brillant und konzentriert agierenden "basel sinfonietta" unter Stefan Asbury. Übersicht und innere Spannung hat die Wiedergabe ausgezeichnet, Stefan Asbury gibt den Musikern nicht nur akkurate Zeit-Anweisungen, sondern vermittelt immer auch die Energie-Flüsse.
DrehPunktKultur, 09.08.2007
(…) Jürg Wyttenbach an der Spitze der basel sinfonietta, ergänzt durch das Ensemble "Les jeunes solistes" und den Kammerchor Salzburg, gestaltete das Eröffnungskonzert zu einer Folge von klingenden Solitären. (…)
Der Standard, 10.08.2007
Die Partitur hielt der erschöpft-glückliche Dirigent Stefan Asbury an der Spitze der fulminanten „basel sinfonietta“ schliesslich dem ausdauernd jubelnden Publikum entgegen – und Applaus und Bravo-Rufe brandeten noch einmal auf. (…)
Die Presse, 10.08.2007
(…) Die konzentrierte basel sinfonietta das traumhaft sichere franzosische Gesangs ensemble Les jeunes solistes sowie der tadellose Kammerchor Salzburg unter der stets souverän ruhigen Gesamtleitung des (nicht nur Scelsi) Experten Jürg Wyttenbach - sie alle wussten Scelsis aus zumeist kleinsten intonatorischen Abweichungen entstehenden, ungeheuerlich sich auswachsenden amorphen Klangvisionen zu farbreichem Leben zu erwecken. Musikalisch erlebbare Transzendenz, jubelnd bedankt.
Die Presse, 08.08.2007
Die famose basel sinfonietta fächerte die stillen, intensiven Klangereignisse, die mikrotonalen Engführungen, Verdichtungen, Weiterungen, Anreicherungen der Farbpalette (tiefes Blech, Schlagzeug, flirrendes Holz, Streicherklänge) mit grösstmöglicher Behutsamkeit auf. (…) So – abseits von glamourösen Events – entstehen festspielwürdige Ereignisse.
Salzburger Nachrichten, 08.08.2007
Mit Bravorufen und herzlichem Applaus reagierte das Salzburger Festspielpublikum, darunter auch der Festspiel-Intendant Jürgen Flimm, auf den ersten Auftritt der basel sinfonietta beim renommierten Festival an der Salzach. In der ausverkauften Kollegienkirche eröffnete das Orchester am Montagabend den Konzertzyklus «Kontinent Scelsi».
Basellandschaftliche Zeitung, 08.08.2007
(…) Ein Lob der „basel sinfonietta“ und ihrem Dirigenten Jürg Wyttenbach: Er steht für scheinbare Sachlichkeit pur, und lässt doch so viel genau gezeichnete Emotionalität zu. Da konnte man nur staunen, andächtig womöglich, denn diese Töne passten so gut, als ob sie genau für diesen Raum. Komponiert worden seien. Nicht ein Platz blieb an diesem Abend frei in der Kollegienkirche. (…)
DrehPunktKultur, 07.08.2007
Die exzellente basel sinfonietta, die glockigen und dicht verwobenen Stimmen der „jeunes solistes“ und der präzise und klangschön intonierende Salzburger Kammerchor waren die starken Ensembles dieses eindringlichen Abends. Jürg Wyttenbach als kenntnisreicher Dirigent führte durch ihn mit seriöser, ruhiger Souveränität. Festspiele: Hier werden sie zum Ereignis.
Salzburger Nachrichten, Nachtkritik, 07.08.2007