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basel sinfonietta

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Kritiken

 

Medienecho Salzburger Festspiele

Salzburger Festspiele 2011
 
Die basel sinfonietta unter Steven Sloane bot eine musikalisch perfekte konzertante Aufführung von Morton Feldmans Oper "Neither".
Frankfurter Allgemeine Zeitung
 
Vor zwei Wochen gastierte die basel sinfonietta mit diesem Programm bei den Salzburger Festspielen und bekam beste Kritiken. Zu Recht, wie man nun auch im Stadtcasino hören konnte. Einmal mehr zeigten sich die Orchestermusiker unter ihrem amerikanischen Gastdirigenten Steven Sloane als klangpräzise und feinfühlige Interpreten moderner Musik. Es nötigte Bewunderung ab, wie klanglich luzide und hellhörig die Sinfonietta und ihre Vokalsolistinnen sich durch diese anstrengenden Partituren bewegten.
Geradezu eine Tour de Force für den Solosopran ist die Extrem-Partie in Morton Feldmans "Neither" (übersetzt: "Weder-Noch"). In der finnischen Koloratursopranistin Anu Komsi hatte die Sinfonietta eine grandiose Interpretin für diese in extrem hoher Stimmlage angesetzte Partie, gegen die Verdi- oder Wagner-Arien der reinste Spaziergang sind. Es war sensationell, wie Anu Komsi mit ihrem kristallklaren Sopran in höchsten Lagen und lang gehaltenen Tönen eine Aura des Schwebenden, Schwerelosen erzeugt.
Wie die basel sinfonietta diese Reflexionen über den Beckett-Text, diese feinsten Bewegungen, Veränderungen und dynamischen Schattierungen mit geschärftem Klangsinn auslotete, war eine Meisterleistung. Über eine Stunde hielten sie eine konzentrierte Spannung in dieser Musik, in der die Zeit stillzustehen scheint, einer Musik, die Klangwirkungen von geheimnisvoller Schwerelosigkeit, von Schwebezuständen, Ruhe und Entschleunigung vermittelt und nahezu verschwebend verklingt. Die Beifallstürme und der Jubel, der der basel sinfonietta und vor allem Anu Komsi entgegenbrandeten, waren vollauf verdient.
Badische Zeitung
 
Ein einsamer Sopran dehnt Becketts Worte in langen, sich wiederholenden Tönen, in höchsten Lagen zwischen minimalen Intervallen pendelnd. Der Text gerinnt somit zu Klang, zerfranst in flirrende und stehende Vokallaute. Die Sopranistin Anu Komsi balancierte bewundernswert präzise durch diese geradezu mörderische Aufgabe, begleitet durch die famose Basel Sinfonietta unter dem Dirigenten Steven Sloane. Das Ensemble hatte davor schon beim programmatischen Gegenpart des Abends begeistert, in Gérard Griseys „L'Icône paradoxale“. Die Kollegienkirche erwies sich wieder einmal als ein idealer Ort, um die magischen Klangballons der Moderne steigen zu lassen.
Die Presse
 
Als Hauptstück figurierte in diesem Jahr u. a. Morton Feldmans Anti-Oper „Neither“ auf Beckett in einer packenden konzertanten Aufführung durch die von Steven Sloane geleitete basel sinfonietta mit der luziden Sopranistin Anu Komsi. Irisierende Klänge begegnen uns auch in Gérard Griseys "L’Icône paradoxale". Sie hallen noch lange, nachdem wir das Gotteshaus verlassen haben, nach.
Frankfurter Rundschau
 
Mit seinem Einakter „Neither“ (dt: „Weder“ oder „Keiner von beiden“) hat US-Komponist Morton Feldman 1977 eine Antioper geschrieben. Ein Musiktheater, das sich jeder Theatralik verweigert. Die Uraufführung in Rom soll 1977 mit überfordertem Lachen geendet haben, in Salzburg herrschte hingegen konzentrierte Spannung – und danach verdienter Jubel für Anu Komsi als großartige Antiopernheldin sowie für die basel sinfonietta und ihren Dirigenten Steven Sloane für eine brillante Umsetzung der Partitur.
Salzburger Nachrichten
 
Mit Begriffen wie Rezitativ und Arie kommt man nicht weiter. Auch nicht mit einem Begriff wie Libretto angesichts der genau 87 Wörter, die Samuel Beckett spendiert hat für Morton Feldmans Operneinakter für Sopran und Orchester „Neither“. Die „basel sinfonietta“, treue Gäste seit Anbeginn der Kontinent-Reihen der Festspiele, hat unter der Leitung von Steven Sloane gestisch starken Klangsinn vermittelt. Das Streicher-Spiel ohne Vibrato der „basel sinfonietta“, die vom Dirigenten präzise vermittelten Spannungsbögen, die silberhell-klare Stimme der finnischen Koloratursopranistin Anu Komsi – das alles hat in Summe für 55 Minuten vom Raum Besitz genommen. Oper, klar, was sonst?
Zuvor, zeitlich viel knapper, aber in der Gestik entschieden ausufernder, „L’icone paradoxale – Hommage à Piero della Francesca“ von Gérard Grisey: Man braucht eine Weile, um die oft auf (beinah) gleicher Tonhöhe sich abwechselnden und überschneidenden Haltetöne der beiden Sängerinnen (Anna Palimina, Lani Poulson) auseinander zu halten, wie auch das Wahrnehmen der Unterschiede in den beiden Orchesterhälften hohe Aufmerksamkeit voraussetzt. Letztlich gewinnt fürs Publikum die Suggestivkraft dieser Komposition Oberhand über alle Neugier nach dem Konstruktiven. Und suggestiv packend war auch die Wiedergabe.
Wiener Zeitung
 
Das Basler Publikum darf sich freuen. In diesem Jahr wird die basel sinfonietta ihr Konzert an den Salzburger Festspielen zum Saisonstart integral auch hier im Stadtcasino spielen. Es war ein grosser Abend, den das 94-köpfige Orchester unter dem amerikanischen Dirigenten Steven Sloane in der Kollegienkirche gab. Das Publikum feierte nach der starken Wiedergabe von "L’Icône paradoxale" und "Neither" das Orchester, die Sängerinnen Anu Komsi, Anna Palimina und Lani Poulson sowie den Dirigenten.
Zu Feldmans fast einstündiger Anti-Oper "Neither" schrieb Samuel Beckett das Libretto: ein Gedicht von 87 Worten. Wie der Text ist die Musik Feldmans, die das Tonmaterial äusserst reduziert. Die Sopranstimme bewegt sich in höchsten Lagen im engsten Bereich. Anu Komsi gestaltete die schwierige Partie grandios und ergreifend. Sie gab den Klängen grosse Intensität und sang mit luzider Klarheit. Meisterhaft spielte die basel sinfonietta. Steven Sloane erwies sich als ein hervorragender Dirigent auch für dieses Werk. Er entfaltete die Partitur mit äusserster Konsequenz, machte im langsamen Tempo keine Kompromisse und hielt mit dem hoch konzentriert spielenden Orchester jederzeit die Spannung. Zum vierten Mal präsentierte sich die sinfonietta an den Salzburger Festspielen als hochkompetenter Interpret zeitgenössischer Musik.
Basellandschaftliche Zeitung
 
Salzburger Festspiele 2009
 
In den Orchesterwerken "Metastaseis" und "Jonchaies" hat Iannis Xenakis, Schüler Messiaens und Mitarbeiter Le Corbusiers bei der Brüsseler Weltausstellung 1958, eine Sprache kollektiv verdichteter, unerhört spannungsgeladener Glissandokünste entwirckelt. Bravourös die basel sinfonietta unter Jonathan Stockhammer.
Süddeutsche Zeitung
 
Schon allein für "Jonchaies", ein grandioses, selten zu hörendes Orchesterwerk, hätte es sich gelohnt, nach Salzburg zu kommen. Es war ein aussergewöhnliches Auftaktkonzert.
Bayern 4 Klassik, Bayerischer Rundfunk
 
Dass Iannis Xenkais von Varèse entscheidende Impuls empfing, ist kein Geheimnis. Die Orchesterwerke "Metastaseis" und "Jonchaies" mit der eindrücklichen basel sinfonietta unter Jonathan Stockhammer demonstrierten, dass Xenakis vor allem in seinen klanglichen Imaginationen Varèses Klangerfahrungen weitergeschrieben hat.
Frankfurter Allgemeine Zeitung
 
Stücke wie Iannis Xenakis' "Metastaseis" oder "Jonchaies" sind auch nach dreissig und mehr Jahren Herausforderungen. Die riesig besetze basel sinfonietta unter der Leitung des Amerikaners Jonathan Stockhammer hat dieses Experimental-Tableau so opulent wie klang-rauschhaft in Szene gesetzt. Es war, keine Frage, eine Massstäbe setzende Aufführung.
Wiener Zeitung
 
Xenakis' Werke "Metastaseis" und "Jonchaies", das Xenakis selbst als "Binsendickicht" bezeichnete, spielte die basel sinfonietta unter Jonathan Stockhammer als berückend bedrängende Kontrast- und Klangexpansionen. Sensationell.
Kronen Zeitung
 
Die basel sinfonietta unter der souveränen Leitung Jonathan Stockhammers spielte "Metastaseis" für sechzig Instrumentalisten, ein ruhiges, glissando-gesättigtes, flächiges Stück, und mit einer Hundertschaft an Mitwirkenden "Jonchaies", in dem Xenakis nicht nur quasi von flimmernden Höhen herab Klangflächen sich ausweiten lässt, sondern auch für geordnetes, brodelndes Chaos sorgt und einen grossen motorischen Sog aufbaut mit markanten Beiträgen etwa der Hörner, Posaunen und Schlagwerker.
Salzburger Nachrichten
 
Riesenbegeisterung in der Felsenreitschule nach fast vier Stunden. Giacomo Manzonis "Masse" mit der bewährten basel sinfonietta, eine Varèse-Hommage für Klavier und Orchester bei der sich Nicolas Hodges als glänzender Solist in die extrem komplizierte Schlacht warf, stellte eine veritable Hörherausforderung inmitten von kulinarischer Fetzigkeit dar.
Die Presse
 
Die basel sinfonietta hält mit den besten Klangkörpern für Neue Musik mit. Sie setzte die ungemein komplexe Partitur der beiden Xenakis-Werke "Metastaseis" und "Jonchaies" unter dem US-amerikanischen Dirigent Jonathan Stockhammer vital und präzis in Klang. Das Spiel der basel sinfonietta war von hoher Intensität. Bravourös meisterte die Hundertschaft noch die kniffeligste Stelle. Die Instrumentengruppen - von den Streichern über die Holzbläser- und Blechbläsergruppen bis zu den Schlagzeugern - entfalteten den grossen Klangfarbenreichtum und die emotionale Kraft von Xenakis Musik.
Mit freudigem Staunen stellen wir fest, dass hier in Salzburg so anspruchsvolle Konzerte mit Neuer Musik sogar in der 1500 Zuschauer fassenden Felsenreitschule ausverkauft sind.
Basellandschaftliche Zeitung
 
Auf dem Programm des Konzerts standen zwei Orchesterstücke von Iannis Xenakis: das noch moderat besetzte "Metastaseis" und das rund 20 Jahre später entstandene "Jonchaies" für 109 Musiker in hervorragender Interpretation. Nicht minder euphorisch gingen die Gäste aus der Schweiz an Giacomo Manzonis "Masse" heran, eine Art Klavierkonzert, in dem Varèses Schlachtruf von der Befreiung des Klangs tatsächlich Programm ist.
Oberösterreichische Nachrichten
 
Salzburger Festspiele 2008
 
Der erste Teil des Konzerts führte zu einer Sciarrino-Station auf seinem Kontinent, wo mit der basel sinfonietta unter der versierten Leitung von Fabrice Bollon Sphärenklänge verabreicht wurden. "Introduzione all'oscuro" benötigt zwölf Instrumente, die nur in Ansätzen ihrer eigenen Bestimmung zugeführt werden. Eine Posaune dient als Windmaschine, der Hornist atmet durch sein Instrument, die Geigen mit Flageolett-Trillern erzeugen vorbeihuschende Geistererscheinungen. Ein Spinnennetz ist ein blickdichter Store gegen das zarte Gespinst, das Sciarrino auswirft.
Salzburger Nachrichten
 
Die venezianische Mehrstimmigkeit von Luigi Nonos "No hay caminos, hay que caminar ... Amdrej Tarkowskij" wurde in der Wiedergabe durch die basel sinfonietta unter Fabrice Bollon auf geradezu kulinarische Weise neu belebt.
Der Standard
 
Salzburger Festspiele 2007
 
(…) Das Publikum im Kirchenschiff wird schier überflutet und fortgeschwemmt von den mächtigen Energieströmen der Orchesterstücke, die die basel sinfonietta unter Jürg Wyttenbach in der Kollegienkirche aufführt. Wyttenbach und seine hervorragenden Musiker wölben in „Pfhat“, einer Komposition für gemischten Chor, dreimanuale Orgel, Orchester und 60 Glöckchen unentwegt schwere Klangmassen auf, bis in einem minutenlangen gellenden Glöckchentremolo der Himmel zum Nirvana der Erleuchtung aufreisst.
Die Zeit, 23.8.2007
 
(…) Man meint tatsächlich mit Händen greifen zu können, wie sich hier Grenzen auflösen zwischen Hochkultur und Avantgarde. Man kann es sogar sehen, manifestiert beispielsweise in der Person Alfred Brendels, der gekommen ist, um sich das Scelsi-Meditationsstück „Pfthat – Ein Blitz“ anzuhören, famos gespielt von der basel sinfonietta unter der Leitung von Jürg Wyttenbach. (…) Das Beste an diesem „Kontinente“-Jahrgang aber war die Aufführung von „Les Espaces Acoustiques“ von Gérard Grisey, worin schrittweise das Obertonspektrum ausgelotet wird und damit zugleich der musikalische Raum erobert wird, auf den Punkt präzise interpretiert von der basel sinfonietta unter Stefan Asbury.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.08.2007
 
Strahlende Gesichter auf dem Podium, Begeisterung im Publikum: Nach dem Auftakt mit Scelsi wurde auch der zweite Auftritt der basel sinfonietta bei den Salzburger Festspielen mit Gérard Griseys sechsteiligem Instrumentalzyklus «Les Espaces acoustiques» unter Stefan Asbury zum Triumph für die Basler Musiker und ihren Dirigenten. (…) Wie schon zuvor in Basel schien das Orchester förmlich über sich selbst hinauszuwachsen und verlieh Griseys Musik Spannung, Intensität und leuchtkräftige Farben. Das Publikum jubelte und die Musiker feierten demonstrativ ihren Dirigenten.
Basellandschaftliche Zeitung, 11.08.2007
 
(…) Mit Beginn der „Périodes“ traten dann auch die Musiker der basel sinfonietta auf den Plan, die, auf einem soliden Streicherfundament aufbauend, auch diesmal ihren Ruf als Spezialisten für zeitgenössische Angelegenheiten bestätigten. (…)
Salzburger Nachrichten, 11.08.2007

(…) Am Mittwoch in der Kollegienkirche ein Aufbruch in die "Espaces Acoustiques", mit der brillant und konzentriert agierenden "basel sinfonietta" unter Stefan Asbury. Übersicht und innere Spannung hat die Wiedergabe ausgezeichnet, Stefan Asbury gibt den Musikern nicht nur akkurate Zeit-Anweisungen, sondern vermittelt immer auch die Energie-Flüsse.
DrehPunktKultur, 09.08.2007

(…) Jürg Wyttenbach an der Spitze der basel sinfonietta, ergänzt durch das Ensemble "Les jeunes solistes" und den Kammerchor Salzburg, gestaltete das Eröffnungskonzert zu einer Folge von klingenden Solitären. (…)
Der Standard, 10.08.2007
 
Die Partitur hielt der erschöpft-glückliche Dirigent Stefan Asbury an der Spitze der fulminanten „basel sinfonietta“ schliesslich dem ausdauernd jubelnden Publikum entgegen – und Applaus und Bravo-Rufe brandeten noch einmal auf. (…)
Die Presse, 10.08.2007
 
(…) Die konzentrierte basel sinfonietta das traumhaft sichere franzosische Gesangs ensemble Les jeunes solistes sowie der tadellose Kammerchor Salzburg unter der stets souverän ruhigen Gesamtleitung des (nicht nur Scelsi) Experten Jürg Wyttenbach - sie alle wussten Scelsis aus zumeist kleinsten intonatorischen Abweichungen entstehenden, ungeheuerlich sich auswachsenden amorphen Klangvisionen zu farbreichem Leben zu erwecken. Musikalisch erlebbare Transzendenz, jubelnd bedankt.
Die Presse, 08.08.2007
 
Die famose basel sinfonietta fächerte die stillen, intensiven Klangereignisse, die mikrotonalen Engführungen, Verdichtungen, Weiterungen, Anreicherungen der Farbpalette (tiefes Blech, Schlagzeug, flirrendes Holz, Streicherklänge) mit grösstmöglicher Behutsamkeit auf. (…) So – abseits von glamourösen Events – entstehen festspielwürdige Ereignisse.
Salzburger Nachrichten, 08.08.2007
 
Mit Bravorufen und herzlichem Applaus reagierte das Salzburger Festspielpublikum, darunter auch der Festspiel-Intendant Jürgen Flimm, auf den ersten Auftritt der basel sinfonietta beim renommierten Festival an der Salzach. In der ausverkauften Kollegienkirche eröffnete das Orchester am Montagabend den Konzertzyklus «Kontinent Scelsi».
Basellandschaftliche Zeitung, 08.08.2007
 
(…) Ein Lob der „basel sinfonietta“ und ihrem Dirigenten Jürg Wyttenbach: Er steht für scheinbare Sachlichkeit pur, und lässt doch so viel genau gezeichnete Emotionalität zu. Da konnte man nur staunen, andächtig womöglich, denn diese Töne passten so gut, als ob sie genau für diesen Raum. Komponiert worden seien. Nicht ein Platz blieb an diesem Abend frei in der Kollegienkirche. (…)
DrehPunktKultur, 07.08.2007
 
Die exzellente basel sinfonietta, die glockigen und dicht verwobenen Stimmen der „jeunes solistes“ und der präzise und klangschön intonierende Salzburger Kammerchor waren die starken Ensembles dieses eindringlichen Abends. Jürg Wyttenbach als kenntnisreicher Dirigent führte durch ihn mit seriöser, ruhiger Souveränität. Festspiele: Hier werden sie zum Ereignis.
Salzburger Nachrichten, Nachtkritik, 07.08.2007

 

Medienecho Viva Cello 2011

Neben der Abschlussgala bildete der unter dem Motto "In memoriam Mstislav Rostropovich" stehende Abend mit der basel sinfonietta einen Höhepunkt von Viva Cello. Ivan Monighetti interpretierte mit geradezu magischer Souplesse Luigi Boccherinis Konzert D-Dur für Violoncello und Streicher. Umwerfend dabei die Begleitung durch die basel sinfonietta, die von Michał Klauza souverän geleitet wurde. Mitplastischer Gestaltungskraft brachte das Orchester Boccherinis Musik subtil zum Funkeln.
Basellandschaftliche Zeitung
 
Das war schon ein denkwürdiges Gipfeltreffen der Cellostars. Denn wann hat man schon einmal Gelegenheit, die Cello-Elite so geballt an einem Wochenende zu erleben wie bei den siebten Internationalen Musiktagen "Viva Cello"? Alles, was in der Cellowelt einen Namen hat, versammelte sich an den drei Festivaltagen in Liestal und Basel. Den Höhepunkt markierte das Konzert im Stadtcasino Basel, wo mit Sol Gabetta, Mischa Maisky und Ivan Monighetti drei der besten Cellisten der Gegenwart zusammentrafen. Diese berühmten Persönlichkeiten sowohl solistisch als auch gemeinsam zu hören, war ein Ereignis von Seltenheitswert.
Maisky und Monighetti, die noch Schüler des legendären Mstislav Rostropovitch waren, und Sol Gabetta, die bei Monighetti studierte, boten die ganze Palette an Cellokunst: die großen Emotionen der Ausdrucksmusiker und die brillante Technik der Virtuosen.
Was für ein phänomenaler Cellist er ist, führte Monighetti in Boccherinis Cellokonzert D-Dur vor, das schon vom Geist des Rokoko inspiriert ist. Die basel sinfonietta unter Leitung von Michal Klauza trat bei Boccherini in reiner Streicherbesetzung mit kammermusikalisch transparentem Klang an.
So leuchtend wie ihr rotes Kleid war der Ton von Sol Gabetta in Alberto Ginasteras "Pampeana". Glutvoll, feurig, sehr leidenschaftlich bringt Sol Gabetta die Farben zum Leuchten. Mit ihrem schwärmerischen, wild aufgeladenen Spiel, ihrem glühenden Ton lässt sie die Hitze der Pampa spüren und horcht leise und melancholisch der geheimnisvollen Stille nach. Sehr farbenreich klingt dazu das Orchesterspiel mit effektvoll eingesetzten Röhrenglocken.
Mit seiner weißen Lockenmähne und der unkonventionellen Konzertkleidung ist Mischa Maisky eine auffallende Erscheinung auf den Konzertbühnen dieser Welt. In Basel führte der Cellist die beschwörende Emotionalität seines Spiels und seine überragende Fähigkeit, auf dem Cello zu singen, in Max Bruchs "Kol Nidrei" vor. Sonor und weich strömend klingt sein Spiel in diesem Stück über hebräische Melodien. Maisky scheut sich nicht, große Gefühle auf dem Cello zu zeigen. Wehmutsvoll, mit sanglichem Ton und ausholender Gestik legt er sich in diese klagenden Gesänge, lädt sie expressiv und mit hymnischer Kraft auf – eingebettet in den schwelgerischen Orchesterklang.
Badische Zeitung

 

Medienecho Berner Symphonieorchester

Dass auch eine so unmittelbar wirkende Kunst wie die Musik durch Vermittlung unterstützt werden kann, ist im Konzertbetrieb längst erkannt. Mittlerweile sind Konzerteinführungen und Lecture Recitals etablierte Formen, um dem Publikum den Zugang zur Musik auch über das Wort zu eröffnen. Bei einem Gesprächskonzert im Basler Musiksaal erfüllte Mario Venzago diesen doppelten Anspruch in Personalunion. Für einmal kommunizierte der Chefdirigent des Berner Sinfonieorchesters nicht nur mit seinen Musikern, sondern wandte sich mit erläuternden Kommentaren auch explizit ans Publikum. Angesichts des Programms mit dem Schwerpunkt auf jüdischen Komponisten aus verschiedenen Generationen des 20. Jahrhunderts gaben Venzagos Ausführungen immer wieder prägnante Orientierungshilfen. Mit Schelomo, einer 1916 entstandenen Rhapsodie für Violoncello und Orchester, hat der Schweizer Komponist und Weltenbürger Ernest Bloch ein mächtiges Werk geschaffen, das in spätromantischem Duktus von einer sprachähnlichen Gestik getragen ist. Alexander Kaganovsky interpretierte den Solopart mit majestätischer Schwermut, als wäre hier tatsächlich die Stimme des grossen Königs Salomon zu vernehmen. Das jüdische Element, das bei Bloch vor allem der Harmonik eine charakteristische Färbung verleiht, bestimmt Josef Tals erste Sinfonie von innen heraus. Im selten aufgeführten Werk, das wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg entstand, gewinnt Tal sein musikalisches Material aus einer einzigen uralten persischen Volksmelodie, die sich im Werkverlauf in verschiedenen Gestalten durch das Orchester bewegt. Vielschichtige Klangwelten eröffnete Zohar Iver, eine Komposition der in Harvard lehrenden Komponistin Chaya Czernowin, die gerade in Bern ihre Uraufführung erlebte. Der hebräische Titel (Blinde Strahlung) charakterisiert eine Musik, die sich so ausdrucksstark über die Grenzziehungen von Stille und Geräusch hinwegbewegt, dass die Frage, was man hört, sekundär wird gegenüber der Ekstase des Hörens selber. Die Klangpalette des Orchesters wurde hier durch das Ensemble Nikel erweitert, das dank seiner ungewöhnlichen Zusammensetzung aus Saxofon, Klavier, E-Gitarre, Kontrabass und Perkussion auch Experimente mit elektronisch erzeugten Klängen ermöglicht.
Basler Zeitung
 
Josef Tal? Auch er habe den Komponisten bis vor kurzem nicht gekannt, bekannte der Dirigent Mario Venzago freimütig bei seinem Auftritt mit dem Berner Symphonieorchester im Basler Stadtcasino. Tal, 1910 in der Nähe von Posen geboren, war in Berlin Schüler von Paul Hindemith. 1934 emigrierte er nach Palästina und wurde als Lehrer und Komponist eine wichtige Instanz im Musikleben Israels. Seine einsätzige Erste Sinfonie von 1952 ist ein unmittelbar ansprechendes Stück, in seiner Tonalität unberührt von der musikalischen Entwicklung der 50er-Jahre. Sie beruht auf einem alten persisch-jüdischen Klagegesang, der im langsamen Mittelteil hörbar wird. Der erste Teil beginnt mit einem Glissando-Ruf der Solobratsche – dem einzigen „östlich“ anmutenden Element des Werks – und einem markanten, absteigenden Motiv der Kontrabässe, und steigert sich zu rasanter Motorik. Der Schlussteil findet zu tänzerischer Ausgelassenheit, die aber immer wieder beunruhigend unterbrochen wird. Venzago und das sehr präsente Orchester packten das Publikum mit einer spannungsvollen Aufführung.
Kam Tal aus dem Westen und half mit, Israel aufzubauen, so ging die 1957 in Haifa geborene Chaya Czernowin den umgekehrten Weg: Sie lebt und arbeitet heute in den USA. Zohar Iver, eine Auftragkomposition für CULTURESCAPES, hat sie komponiert für ein gross besetztes Orchester und das in Israel beheimatete Ensemble Nikel, das mit Klavier, Saxofon, E-Gitarre und Schlagzeug zeitgenössische Kammermusik macht.
In seiner Einführung öffnete Venzago mit Klangbeispielen die Ohren für Czernowins subtil ausgehörte Musik, etwas die pianissimo mit dem Bogen angeschlagenen Saiten der Geigen zu Beginn, denen die Flöten mit ihren Klappen antworteten. Es ist Musik, die kaum je auftrumpft, dafür aber genaues Hinhören verlangt und in ein vielfältiges Klang-Universum führt. Die Berner Gäste setzten sie mit grosser Sensibilität um. Der Solist des Abends war der Cellist Alexander Kaganowsky mit dem Solopart in Ernest Blochs Schelomo. Er spielte mit vollem, warmem Ton. Die spätromantische Partitur gab den hervorragend spielenden Berner Musikern die Gelegenheit, ihren vollen, dunkel grundierten Orchesterklang auszuspielen.
Basellandschaftliche Zeitung

 

Medienecho "from scratch"

Kann man eine Legende wieder aufleben lassen? Die basel sinfonietta hat es mit ihrem Programm versucht, allerdings nicht, wie man annehmen könnte, indem sie die alten Stücke des Ensembles wiederaufführte, sondern indem sie neue in Auftrag gab. Wichtig nämlich war vor allem der «Scratch»-Impuls, kompromisslos die eigene Musik zu machen und sich nicht von Stilen dominieren zu lassen. Das wurde am Konzert der basel sinfonietta deutlich: Solche Musik gibt es (nur noch) selten. Sie ist ein wenig einsam geworden, Melancholie ist spürbar – und eine Einzigartigkeit. Wer macht heute noch so was, wo alles brillant klingt, perfekt durchgearbeitet, handwerklich auf höchstem Niveau, möglichst komplex. Solcher «Beginner’s Mind», wie es der Zen-Buddhismus formuliert, hat demgegenüber etwas Erfrischendes.
 
Hinter dem Programm wurden durchaus die Sechzigerjahre, aber auch immer wieder der Übervater John Cage spürbar, sowohl im Musikalischen als auch im Konzeptionellen. Zum einen in der spannungsarmen Einfachheit der Musik, die aus der Satie-Nachfolge herrührt und die jegliche Dramatik oder Emphase vermeidet, zum anderen im unerschrockenen Gebrauch auch von Alltagsgegenständen. Am nächsten kam dem gewiss der 1972 geborene Engländer James Saunders mit seinem Konzeptstück things whole and not whole: Die Orchestermusiker durften zwar auch ihre Instrumente, aber vor allem allerlei Gebrauchsutensilien einsetzen. Die Offenheit wurde nur durch einige Zusammenspielregeln eingeschränkt. So rudimentär das wirken mochte (obwohl es auch unzählige hübsche Details gab), so machte es auch ein zentrales Moment der Scratcher deutlich: das soziale Interagieren, der fast demokratische Prozess, das Handeln ohne Dirigent nach klaren Vereinbarungen. Und natürlich spielte die basel sinfonietta damit auch auf ihre eigene Position als selbstbestimmtes Orchester an.
 
Der ­Aarauer Jürg Frey, deutlich affiziert von der Cage-Feldman-Wolff-Scratch-Tradi­tion, setzt in Louange de l’eau, louange de la lumière seine Klänge behutsam hin, und auch wenn er einmal gesagt hat, es gehe ihm nicht primär darum, «das Material, seine Qualität auszuhören», so hat er hier doch sehr genau in die Klänge hineingehört, ausgespürt, wie lange sie dauern, wie oft sie sich wiederholen müssen. Das regte die Aufmerksamkeit an, war schnörkellose «arte povera».
 
Der Cage-Mitstreiter Christian Wolff sympathisierte einst mit dem Scratch Orchestra und schrieb dafür seine konzeptartigen Burdocks. Sein neues Stück Spring Two ist detaillierter auskomponiert, enthält aber improvisatorische Anteile. So können die Musiker zum Beispiel wählen, in welchem Schlüssel sie eine Passage lesen wollen. Das musikalische Ergebnis schmerzt, denn es klingt (nicht nur wegen der eingesetzten Vierteltöne) falsch, wirklich falsch. Aber Wolff spielt damit wieder auf hintergründige Weise, er verdreht das Hören, so dass es sich windet. Mit der Zeit dringen allmählich wohlklingendere Passagen herein, am Schluss steht eine fast schmissig-schöne Coda. Mit wenig hat er da viel erreicht. Berauscht und verwirrt von Wolff-Quinten und ähnlichen Intervallen fuhren wir heim.
Schweizer Musikzeitung
 
Im Jahr 1969 formierte sich in London das Scratch Orchestra, ein heterogenes Ensemble, deren Begründer dem traditionellen Konzertbetrieb eine freiere, alternative Art des künstlerischen Ausdrucks entgegensetzen wollten. Unter dem Titel from scratch hat die basel sinfonietta in der voll besetzten Martinskirche nun fünf Stücke von Komponisten uraufgeführt, die der revolutionären Londoner Gruppe seinerzeit mehr oder weniger eng verbunden waren. Die in Alltagskleidung auftretenden sinfonietta- Mitglieder setzten unter Leitung des jungen Dirigenten Manuel Nawri die Musik präzise, sachlich und im Klang kernig um.
Basler Zeitung
 
James Saunders trifft den Geist des Scratch Orchestras: In things whole and not whole für grosses Orchester benutzen die Musiker Gegenstände aller Art um 16 in der Länge definierte, sonst aber frei gewählte Klänge zu erzeugen. Die sinfonietta-Musiker nutzten diese Möglichkeit lustvoll, bliesen in Flaschen und Kinderpfeifen, hantierten mit allerlei Küchengerät und entlockten den Orchesterinstrumenten ungewohnte Töne. Daraus ergab sich ein differenziertes, dauernd changierendes Klanggewebe, oft man Rand der Hörbarkeit. Die Besucher in der erstaunlich gut gefüllten Martinskirche hörten dieser Musik konzentriert zu.
Das stärkste Stück des Abends war Louange de l'eau, louange de la lumière des Aargauers Jürg Frey. Er entwickelt eine sehr persönliche Sprache, mit wie eingefrorenen, kalt gleissenden Klangblöcken und einer Sequenz, in der aus dem Halbtonflageolett der Streicher im Pianissimo ein hoch differenziertes Klangfeld erwächst. Die Musiker, von Manuel Nawri umsichtig geleitet, gestalten ihr Programm mit spürbarem Engagement und brachten die Farben des Orchesters zu prächtiger Entfaltung.
Basellandschaftliche Zeitung
 
Es fängt schon ungewöhnlich an. Aus den Publikumsreihen lösen sich die Musikerinnen und Musiker und bewegen sich zum Podium. Nicht traditionelles einheitliches Konzertschwarz prägt das Bild, vielmehr spielen die Orchestermitglieder der basel sinfonietta in Alltagskleidung, ganz leger. Schon optisch wird das herkömmliche Bild vom klassischen Orchester aufgebrochen, die Trennungslinien zwischen Publikum und Musikern werden bewusst aufgeweicht.
In der Paraphrase for Orchestra von Michael Parsons, einem der Gründerväter des "Scratch Orchestras", gehen Streicherbewegungen wellenartig durchs Orchester; dann sind nur die Bläser zu hören, in weichen Farben und dynamischen Schattierungen. Sehr behutsam und strukturenklar spielen die sinfonietta-Musiker unter Leitung von Manuel Nawri diese Dialoge zwischen Streichern, Holz- und Blechbläsern, deren Klangfarben zunehmend verschmelzen. Auch Tim Parkinsons Orchestra Piece hat in der dialogischen Behandlung von Bläsern und Streichern eine eindringliche Wirkung, die sich immer mehr verdichtet – mit minimalistischen Elementen.
Eine ebenso sinnliche wie dezent leise Klangatmosphäre beschwört der Schweizer Komponist Jürg Frey in Louange de l’eau, louange de la lumière. Durch Liegetöne, Halbtonflageoletts, fast unhörbares Streichen der Bogen wird der Raum erfüllt von einem zarten Summen, Rauschen, Flirren, dazu kommen sanfte Pauken- und Trommelschläge. Nichts Wildes, nichts Lautes hat diese subtile Komposition, die von den Schattierungen des Wassers und des Lichts handelt. Und die sinfonietta kann hier ihre Qualitäten im feinen Piano ausspielen.
Das experimentellste Stück ist James Saunders' Things whole and not whole, das die kreativen Impulse und den demokratischen Gedanken des "Scratch Orchestras" aufgreift. Es kommen nur wenige Instrumente, dafür umso mehr Objekte und Klangwerkzeuge aus dem Alltäglichen zum Einsatz: Ein Luftballon wird aufgeblasen, ein Schirm klappt zu, eine Papierseite wird zerrissen, Gläser reiben aneinander, Plastikflaschen werden geschüttelt: Durch Rascheln, Reiben und Streichbewegungen ergeben sich Klänge von Holz, Papier, Karton, Blech. Fließende Bewegungen gehen durch das Orchester gleich einer Choreografie – dem Komponisten schwebte das Bild eines Vogelschwarms vor. Konzentriert und reduziert in der Bläser- und Streicherbesetzung ist Spring Two von Christian Wolff, einem einstigen Weggefährten von John Cage und Morton Feldman, der den interpretierenden Musikern zwischen notierten Passagen auch Freiräume lässt – etwas, was im Scratch Orchestra groß geschrieben wurde. Mit dieser spannenden "Scratch"-Hommage reist die Basel Sinfonietta auch zum Huddersfield Contemporary Music Festival – dem britischen Pendant zu Donaueschingen.
Badische Zeitung

 

Medienecho "Scartazzini - Viaggiatori"

Andrea Lorenzo Scartazzinis Viaggiatori («Reisende») thematisiert auf der Grundlage literarischer Texte das Reisen. Der 40-jährige Schweizer Komponist setzt den riesigen Orchesterapparat grosszügig, aber stets ganz gezielt und niemals exzessiv ein und schafft so eine im besten Sinne eingängige Anschaulichkeit, die trotz ihres Reichtums an Details oft unmittelbar anzusprechen vermag: Beklemmend etwa wirkt der über Zeit und Vergänglichkeit reflektierende Prolog, konkret greifbar die farbenfroh bis grelle Schilderung einer gigantischen Fantasie-Stadt. Joachim Krause gelang es erfolgreich, die unterschiedlichen Stimmungen der Viaggiatori herauszuarbeiten. Der langjährige Dirigent des Bach-Chors konnte sich insbesondere auf die Rhythmus- und Intonationssicherheit seines Ensembles, auf die Fähigkeit zur dynamischen Abstufung beim Orchester basel sinfonietta sowie auf die ebenso ausdrucksstarke wie glaubhafte Erzählhaltung des Bassisten Michael Leibundgut verlassen. Das Publikum bedachte Scartazzinis Klangsinnlichkeit und die einwandfreie Leistung aller Mitwirkenden mit begeistertem, langanhaltendem Applaus.
Basler Zeitung
 
In seinen Viaggiatori nimmt Scartazzini Bachs Vergänglichkeits- und Todesthematik auf. Im Prolog singt der polyfon reich aufgefächerte Chor den "Zeit-Monolog" aus der Oper Der Rosenkavalier und schlägt damit die Brücke zum Gründungsjahr 1911, in dem auch die Oper uraufgeführt wurde. Fein abgemischte Klänge von Orgel und Orchester erinnern am Schluss an das Rieseln der Sanduhr. Es folge ein Text von Adolf Wölfli, der Entwurf einer fantastischen, prunkvollen Riesenstadt; Scartazzinis Vertonung setzt mit aggressivem Schlagzeug und Trillerpfeifen das Chaos der Mega-Citys von heute dagegen. Mit gläsernen Klängen von grosser Schönheit beginnt der nächste Teil auf einen Ausschnitt aus der Divina Commedia. Krause, die basel sinfonietta und die Solisten gestalteten eine packende Aufführung dieser eindrücklichen Musik.
Basellandschaftliche Zeitung

 

Medienecho "SONNENFINSTERNIS"

Seit dreissig Jahren gibt es die basel sinfonietta, dieses selbstverwaltete Orchester, das seine Programme selber macht, sich seine Dirigenten selber einlädt - und das nicht zuletzt gegründet wurde, um Orchestermusik jenseits der gängigen Repertoire-Pfade auf die Bühne zu bringen. Neben seiner Konzertreihe in Basel tritt das Orchester in jeder Saison auch zwei- oder dreimal in Zürich auf und zeigt hier, was andere Orchester nicht oder nicht mehr machen: Klaus Hubers grosses Orchesterstück "Tenebrae" zum Beispiel. Es gehört zu den besten Orchesterwerken Hubers und ist eines der Schlüsselwerke des zwanzigsten Jahrhunderts. Mehr als dreissig Jahre ist es her, dass "Tenebrae" in Zürich einmal aufgeführt wurde.
Endlich also wieder live mit der basel sinfonietta unter der Leitung von Jonathan Stockhammer. Welchen Sog hat diese Musik, sie klingt so aktuell wie je. Das Publikum im gut gefüllten Saal war sichtlich bewegt. Danach - eine glänzende Programm-Idee und ein starkes Erlebnis - Gustav Mahlers "Kindertotenlieder" mit ihren privaten Verfinsterungen. Und mit einer Sängerin, deren Stimme für diese Musik einen Idealfall darstellt: Yvonne Naef.
Neue Zürcher Zeitung
 
Das erste Konzert der Jubiläumssaison im Grossen Saal des Basler Stadtcasinos stand unter dem Motto "SONNENFINSTERNIS".
Auf eine ganz bestimmte Sonnenfinsternis, nämlich jene während der Kreuzigung Jesu, bezieht sich Klaus Huber in seinem 1966/67 entstandenen Werk "Tenebrae" für grosses Orchester. Diese suggestive und zugleich klangschöne Evokation von Tod, Verlassenheit und Schmerz enthält neben schneidenden Aufschreien und verzweifelten Eruptionen ausgedehnte Passagen von bedrückender Dunkelheit, die in statischen Klangflächen zum Ausdruck kommen. Bei aller Fähigkeit zu Präzision und Agilität erwies sich das Orchester als besonders fähig im Gestalten dieser Momente, die es mal samtig weich, mal eindrucksvoll fahl leuchten liess.
Die Schweizer Mezzosopranistin Yvonne Naef ist derzeit mit Wagner-Partien auf den Opernbühnen zu hören. In Gustav Mahlers "Kindertotenliedern" schien sie indes jeden Anklang an die Oper bewusst zu vermeiden. So gerieten die fünf tragischen Nummern nicht emotional aufgeladen, aber doch eindringlich. Ähnlich das Orchester unter der Leitung von Jonathan Stockhammer: Der noch junge Dirigent hielt die dynamische Spannbreite klein und erzielte einen kompakten Klang.
Ihrerseits mit dem in Mahlers Liedern präsenten Motiv des Kindlichen verknüpft war die abschliessend gespielte "Naive and Sentimental Music" des US-Amerikaners John Adams. Der Schlusssatz kommt als fulminante Tour de Force daher, die dem Klangkörper ein Maximum an Konzentration und Energie abverlangt. Die sinfonietta-Mitglieder meisterten diese Aufgabe bravourös, ohne differenziertes Spiel zu vernachlässigen, und wurden dafür zusammen mit dem Dirigenten mit begeistertem Applaus belohnt.
Basler Zeitung
 
Hubers Orchesterstück „Tenebrae“ kreist um die Sonnenfinsternis als Symbol für die mannigfache Gefährdung der menschlichen Existenz; zugleich bezieht er sich explizit auf die Verfinsterung der Erde nach dem Kreuztod Christi. Es ist dichte, klanglich subtil gearbeitete Musik. Orchesterschreie und brutale Schlagzeug-Einsätze wechseln mit geheimnisvollem Rascheln und Wispern, wie unerklärliche Geräusche in der Finsternis. Stockhammer und die spürbar engagierten Musiker brachten das Stück zu eindringlicher Wirkung.
Solistin in Mahlers „Kindertotenlieder“ war die Schweizerin Yvonne Naef. Ihre Stimme, ein dramatischer Mezzosopran mit leuchtender Höhe und glühender Tiefe, ist wie geschaffen für diesen Zyklus. Sie nahm ihre Mittel diskret zurück und interpretierte die Lieder angenehm zurückhaltend. Das Orchester begleitete mit weichen Streichern und subtil und klangschön konzertierenden Holzbläsern.
Eine ganz andere künstlerische Haltung vertritt John Adams, dessen dreiteilige „Naive and Sentimental Music“ nach der Pause zu hören war. Es sind jeweils rhythmische oder melodische Grundmuster, die er mit viel Sinn für Orchesterfarben weiterentwickelt und in einer synkopenreichen Klimax gipfeln lässt. Am Pult des Konzerts stand der aufstrebende junge Dirigent Jonathan Stockhammer, mit dem die basel sinfonietta im letzten Jahr bei den Salzburger Festspielen aufgetreten ist.
Basellandschaftliche Zeitung

 

Medienecho "Lucerne Festival 2010"

Es gibt Werke, in denen alles aufgeht: das Verhältnis vom Kleinen zum Grossen, von der Verdichtung zur Ausdehnung, die klangliche Differenzierung in Zeit und Raum. Martin Jaggis "Moloch" ist so ein Stück.
Fritz Hausers "schraffur" für Gong und Orchester baute aus einem kollektiven Schaben und Streichen auf Instrumenten eine filigrane Klangskulptur in den Raum, deren Oberflächenbeschaffenheit stetig changierte.
Michael Wertmüllers "Zeitkugel" frappierte aufgrund seiner komplexen Machart, in der sich Rhythmen und Zeitebenen - von bisweilen fünf Dirigenten vermittelt – übereinander legten, während hin und wieder postromantische Klänge durchschimmerten. Unter der Leitung von Stefan Asbury zeigte die basel sinfonietta, wozu sie fähig ist. Und brillant Dominik Blum an Klavier und Orgel, dem der stupende Solopart wie auf den Leib geschnitten war.
Neue Zürcher Zeitung
 
Die 30-jährige basel sinfonietta ist eines der besten Orchester für Neue Musik. Das demonstrierte sie wieder auf eindrückliche Weise am Konzert des Lucerne Festival unter dem Dirigenten Stefan Asbury.
"Moloch" setzt die wuchernde moderne Grossstadt in eine vielschichtig strukturierte, faszinierende Musik. Mit viel Gefühl für Klangfarben spielt die basel sinfonietta Jaggis starkes Werk.
Eine eigene Faszination entfaltet die Musik des Schlagzeugers und Komponisten Fritz Hauser. Sein Werk ist ein sich wandelndes Geflecht von kratzenden, reibenden Tönen, die mit lang anhaltenden Bläserklängen sich vermengen. Hauser schafft - auch dank der improvisatorischen Spielkunst der sinfonietta - eine fast mystische Atmosphäre.
Basellandschaftliche Zeitung
 
Sehr oft hat neue Musik neben den akustischen auch einen optischen Aspekt. Das gilt allein schon für die oft unorthodoxe Gestik, welche durch die Spieltechniken der Avantgarde verlangt werden, und die sich natürlich bei einem gross besetzten Sinfonieorchester wie der basel sinfonietta ganz von selbst zu einem instrumentalen Theater verdichten. So war schon das erste Stück - «Moloch» von Martin Jaggi, 2009 von der sinfonietta uraufgeführt - auch ein optisches Vergnügen. Vor allem allerdings ein akustisch-musikalisches, denn es erwies sich als klanglich überaus gelungen.
Ganz anders dann Aufstellung und Klangsprache in «schraffur» von Fritz Hauser. Die sinfonietta-Musiker sassen im umgekehrten Halbkreis, teilweise mit ihren Instrumenten, aber etwa auch mit einem Notenständer, Bogenetui und taten nichts anderes, als mit einem Holzstäbchen rhythmisch darauf zu reiben. Es waren faszinierende Klänge, die dadurch mit Hilfe der Resonanzen dieser Instrumente entstanden, ein anschwellendes Rauschen, das den ganzen Raum erfüllte, dekoriert mit ein paar sparsamen Tönen der versteckten Blasinstrumente.
Südostschweiz
 
Der Schlagzeuger und Komponist Michael Wertmüller forderte mit seinem dreisätzigen Orchesterstück "Zeitkugel" die basel sinfonietta als Ensemble für neue Musik heraus und spaltete das Publikum in zwei Lager: in diejenigen, die sich überwältigen liessen von der Energie seines Orchesterzugriffs und in diejenigen, die Wertmüller Eklektizismus, fehlende Orchestrierungskompetenz und Grössenwahn vorwarfen. Zu Wertmüllers Ästhetik gehört das "bis an die Grenze gehen", das Ausreizen des instrumental- und ensembletechnisch Machbaren, aber auch des physiologisch und psychologisch Zumutbaren. Wertmüller polarisierte im besten Sinn mit seinem Stück, vor allem aber machte er sinnfällig, dass Neue Musik und Symphonieorchester doch zusammengehören können. Verglichen mit vielem gut gemachten Auftragshandwerk auf diesem Gebiet, stellte er Konventionen, Traditionen und Schulen hintenan und unterwarf den Apparat seinem starken Ausdruckswillen.
Fritz Hauser brauchte für sein Stück "schraffur" keinen Dirigenten. Er setzte die Musiker der basel sinfonietta halbkreisförmig mit dem Scheitelpunkt zum Publikum. Mit Hauser als Stimmführer an den Gongs entlockten sie ihren Instrumenten ein zikadenartiges rhythmisches Scharren, das aus dem Pianissimo anwuchs und nach einem Kulminationspunkt wieder in dieses aufging. Ein magisches Stück Musik und ein faszinierendes Unikat, vergleichbar mit Ravels „Bolero“. Noch während des Festivals kamen die ersten Anfragen von Veranstaltern nach Folgeaufführungen.
neue musikzeitung

 

Medienecho "Strauss: Don Quixote"

Vor etwa 30 Jahren trat im Basler Musikleben der Name eines zuvor unbekannten Komponisten aus Freiburg ins Rampenlicht: Norbert Moret. Nach Paul Sachers Tod wurde es still um den einst bei Olivier Messiaen und René Leibowitz geschulten, durch und durch modern empfindenden Organisten und Komponisten. Jetzt holte die basel sinfonietta seine "Two Love Poems" aus der Versenkung. Es sind Gedichtvertonungen nach Walt Whitman, klangsinnlich und opulent. An der Wiedergabe des vierzigminütigen Werks durch die mit herrlich voller und wandlungsfähiger Stimme aufwartende Mezzosopranistin Mojca Vedernjak und die beherzt mitgehende sinfonietta unter Stefan Asburys Leitung gab es nichts zu bemängeln.
Ein Cellokonzert ergänze diese Liebeslieder: die Tondichtung "Don Quixote" von Richard Strauss, das Paradebeispiel für illustrative Programmmusik. Der grossartig präsente Solist Thomas Demenga, die Co-Solistin Mariana Doughty an der mit dem Cello geradezu verschmelzenden Bratsche und die in den Streichern mitunter erstaunlich "wienerisch" klingende sinfonietta waren Garanten einer Aufführung, die Spass machte.
Basler Zeitung
 
Als eine gute Wahl erwies sich "Two Love Poems". Norbert Morets Werk pendelt kontrastreich zwischen zart gesponnenen Klanggeweben und explosionsartig ausbrechenden Tonmassen. Adäquat eingebettet in diese empfindsame Musik der ausdrucksstarke Gesang. Mit ihrer den grossen Musiksaal problemlos füllenden Stimme trug die Mezzosopranistin Mojca Vedernjak die beiden Gedichte intonationssicher vor. Nicht minder sattelfest das Cellospiel von Thomas Demenga.
Die basel sinfonietta, die unter der Leitung des auf Neue Musik spezialisierten Dirigenten Stefan Asbury spielte, vermochte nicht nur in Norbert Morets emotionsgeladenem Stück umfänglich zu überzeugen. Auch die anschliessend gespielten Fantastischen Variationen "Don Quixote" über ein Thema ritterlichen Charakters interpretierte das Orchester mit einer gelungenen Paarung von Exaktheit und Expressivität.
Basellandschaftliche Zeitung

 

Medienecho "CHINA - IM JAHR DES TIGERS"

Eine Rede besiegelte sein Schicksal: Verbannung, Arbeitslager, Folter. Die Rede, gehalten 1964, galt den kulturpolitischen Errungenschaften von Mao Zedong – und es war eine kritische. Mit Härte schlug das Regime zurück: Äusserlich ist der 73-jährige Komponist Wang Xilin bis heute davon gezeichnet, von den innerlichen Qualen kündet seine Musik.
Noch 2001 wurde Wang Xilins vierte Sinfonie in China verboten; dass ihre Uraufführung in Taiwan stattfand, hat wohl nicht viel zur Entspannung beigetragen. An der Zürcher Aufführung vom Samstag meinte man in Wang Xilin den chinesischen Schostakowitsch zu erkennen. Nicht nur weil ein Komponist mit musikalischen Mitteln gegen die Verbrechen eines Regimes anschreibt, sondern auch kompositorischer Verwandtschaften wegen. Schmerzlich winden sich in strengstem Kontrapunkt gesetzte Fugen, krachende Passagen fahren dazwischen, grelle Gewalt findet ihr klangliches Äquivalent, während Hoffnung nur in kleinster Dosierung Platz hat.
Kaum ein Werk hätte besser zu dieser Musik passen können als Fritz Hausers «Schraffur»: ein pulsierender Energieverlauf aus Schab- und Kratzgeräuschen, der einen wundersam changierenden Klangraum entstehen lässt.
Tages-Anzeiger
 
Die basel sinfonietta, bekannt als besonders innovativer Klangkörper, begeisterte unter Dirigent Francesc Prat mit einer ungemein engagierten, klanglich geschärften, an allen Pulten hochexpressiv aufgeladenen Interpretation. Auch in der Schweizer Erstaufführung von Wang Xilins vierter Sinfonie holte das Orchester, das sich vehement für zeitgenössische Musik einsetzt, alles an Dramatik und tragischer Wirkungskraft aus dieser bildkräftigen Sinfonik. In dieser Sinfonie verarbeitet Wang Xilin die Traumata, das Leiden, die Qualen seines Volkes und sein eigenes Schicksal. Es beginnt in den tiefen dunklen Streichern, den Kontrabässen, dann setzen nach und nach die Celli ein, die Geigen, der Klang hellt sich auf. Dann bricht mit brachialer Klanggewalt die Apokalypse aus, ein Inferno, dissonant, mit heftigen Schlägen der Perkussion, der Trommel, der Pauken, man glaubt marschierende Armeen zu hören, brutales Niederknüppeln, Folter, Schüsse, hat ein wahres Massaker vor Augen, so drastisch wirkt das: Wang Xilin gibt den Opfern eine Stimme, im klagenden Cello, in Klängen, die Trauer und Verzweiflung ausdrücken: Diese Musik ist ein einziger Aufschrei gegen die Unmenschlichkeit. Sichtlich bewegt über den tosenden Beifall zeigte sich der Komponist nach der Aufführung dieser beiden Werke, deren Botschaft so offensichtlich angekommen ist.
Badische Zeitung
 
Starke Eindrücke hinterliess im Musiksaal des Basler Stadtcasinos das Konzert der basel sinfonietta. Hatte man sich zu Beginn des Konzerts noch gefragt, weshalb die sinfonietta an diesem Abend nicht verschiedene chinesische Komponisten zu Worte kommen liess, um ein möglichst breites Spektrum der zeitgenössischen chinesischen Musik abzudecken, so wurde bald klar, dass es ein Glücksfall war, sich auf die Werke von Wang Xilin zu konzentrieren. Denn Wangs Musik reicht aus für einen Abend, sie ist ausdrucksstark und vermittelt ein faszinierendes und teilweise auch erschreckendes Bild von China, dem man sich nicht entziehen kann.
Dass Wang Xilin aus einem Land kommt, in dem es sehr gewalttätig zu- und hergeht, wurde schon in Wangs Klavierkonzert deutlich, dem die sinfonietta und die hervorragende junge chinesische Pianistin Sa Chen nichts an packendem Zugriff schuldig blieben. Noch intensiver gibt Wang, der während der Kulturrevolution viele Jahre im Gefängnis verbrachte, dem Leid des chinesischen Volkes in seiner vierten Sinfonie Ausdruck.
Die sinfonietta spielte unter dem jungen Dirigenten Francesc Prat schlicht fabelhaft, sodass das Publikum den anwesenden Komponisten begeistert feierte. Die Umarmung zwischen dem Dirigenten und dem Komponisten dauerte länger als üblich. Es muss für einen Propheten bewegend sein, wenn seine Botschaft wenigstens im Ausland ankommt.
Basellandschaftliche Zeitung
 
Die Werke des 1936 geborenen Komponisten stimmen nachdenklich. Ihn hatte die Kulturrevolution um 14 Jahre des Lernens und Reifens betrogen. Nun zieht er Bilanz, schreibt sich in geballten Emotionen seine Leiden von der Seele. Seine Vierte Sinfonie ist ein windungsreiches Drama mit reich entwickelter Szenerie. Diese einsamen Gesänge (Abschnitt 1) und ätzend dissonanten Katastrophen (Abschnitt 2), diese Trauerepisoden, Apokalypse-Schreie und Hoffnungsinseln können nur biographisch gemeint sein! Mit grossem Können brachte sich das sinfonietta-Grossaufgebot in diese Aufgabe ein. Der junge, in Basel und Zürich ausgebildete spanische Dirigent Francesc Prat leistete Präzisionsarbeit. Wang Xilin dankte bewegt.
Basler Zeitung

 

Medienecho "Huapango!"

Im sozusagen ausverkauften Musiksaal des Stadtcasinos begeistert das von José Luís Gómez Ríos dirigierte Orchester mit seinem Lateinamerika-Programm. Der junge spanische venezolanische Dirigent feuert die sinfonietta leidenschaftlich zum mitreissenden Spind an. Das Orchester zeigt wahre Spiellust, gibt den sich überschlagenden Rhythmen starken Drive.
Ein starkes Stück neuer Musik ist "Cristal Argento I" für Orchester und Live-Elektronik des Argentiniers Oscar Edelstein, das die sinfonietta zur Uraufführung bringt. Die - auch rhythmisch - vielschichtigen Klangfelder entwickeln sich wellenartig. Edelsteins dichte Musik, die die Tradition von Edgar Varèse weiterführt, hat eine Kraft, die unter die Haut geht, eine grosse Vitalität. Das Publikum ist begeistert und geniesst das "Danzón"-Filnale als Zugabe.
Basellandschaftliche Zeitung
 
Manche mögens heiss! So auch die muntere Truppe der basel sinfonietta, die sich inmitten winterlicher Minusgrade (und nervender Löcher im Etat) mit dem Ausblick auf wärmende Fasnacht und sonnige Urlaubstage in transatlantischen Regionen zu trösten wusste. "Huapango!" war das Schlüsselwort. Beflügelt durch den Dirigenten José Luís Gómez, liess sich das Orchester in den Bann dieser rhythmus- und farbgesättigten Musik ziehen. Unverkennbar die leichte, aber straff führende Hand des jungen Maestro für ein Genre, das ihm in seinen Musikerjahren im venezolanischen Orchesterprojekt "El Sistema" in Fleisch und Blut übergegangen ist.
Basler Zeitung
 
Nanu, ein Hauch von Karneval in Rio im ehrwürdigen Basler Stadtcasino? Auf Congas und anderem Schlagwerk wird ein ausgelassener, fröhlicher Rhythmus geschlagen, so schmissig, dass man am liebsten dazu tanzen würde. Nach und nach eilen die Orchestermusiker tänzerisch beschwingt zu ihren Plätzen, bis zuletzt der Dirigent die Bühne betritt und sein Orchester mit rhythmischem Feuer und Temperament zu einem fulminanten Finale treibt. Zwei Tänzerinnen in farbigen Kostümen mit opulentem Federschmuck machen den Eindruck von sinnenfreudigem, vitalem brasilianischem Karneval perfekt.
Für diesen Abend mit lateinamerikanischer Musik des 20. und 21. Jahrhunderts hatte das für unkonventionelle Programmideen und aussereuropäische Klangwelten aufgeschlossene Orchester den richtigen Mann am Dirigentenpult: Der junge Venezolaner José Luís Gómez, der seit seinem Sieg beim Sir Georg Solti-Wettbewerb als kommender Pultstar gilt, sprang für den verunfallten Howard Griffiths ein.
Die basel sinfonietta spielte unter Gómez’ glutvollem, in den Gesten sehr bestimmtem Dirigat mit solch zündender Verve und "tanzenden" Bogen, als seien die Musiker nicht am Rheinknie, sondern am Rio de la Plata zu Hause. So viel Einfühlung, Rhythmusgespür und Leidenschaftlichkeit zeigten sie für die speziellen Klangfarben und Klangsprachen der Komponisten aus Mexiko, Brasilien und Argentinien, die sehr innovativ mit der Folklore und den Tänzen ihrer Heimat umgehen.
"Exotisch" von der Besetzung her ist das Konzert für Mundharmonika und Orchester von Heitor Villa-Lobos. Wer die Mundharmonika bisher eher von Volksmusik oder Blues kannte, hatte dank der Solistin Maria Wolfsberger ein echtes Aha-Erlebnis. Die Österreicherin entlockte ihrem Instrument derart virtuose, staunenswerte Klangwirkungen gerade in der freien Kadenz, spielte so klangschön, mit solcher Intensität, dass sich die intime Mundharmonika auch im Orchesterklang mühelos behaupten konnte.
Badische Zeitung
 
Südamerikanische Musik, faszinierend und aufrüttelnd – das ging unter die Haut. Ein großes Kompliment der basel sinfonietta und dem jungen Dirigenten José Luís Gómez! Das Konzert am wurde zum Glanzlicht.
„Wo bleibt der Dirigent?“, mag sich so mancher gefragt haben, nachdem die Schlagzeuger dem Publikum in Pigarro Pifars „Mambo(lero)?“ rhythmisch derart eingeheizt hatten, dass wohl nicht wenige am liebsten mitgetanzt hätten. Erst als es galt, den Streichern ihren Einsatz zu geben, betrat er das Podium: José Luís Gómez Rios, 32 Jahre jung, Spanier, in Venezuela geboren und Preisträger des Internationalen Dirigentenwettbewerbs Sir Georg Solti. Die Musiker der basel sinfonietta und José Luís Gómez meisterten das Werk brillant und technisch perfekt. Es folgte „Hupango“, ein Werk des mexikanischen Komponisten José Pablo Moncayo. Aus volksliedhaften, tänzerischen Themen seiner Heimat entwickelt er ein musikalisches Kunstwerk voller Leidenschaft und Lebensfreude. Die Zuhörer konnten eine beflügelnde, sehr emotionale und überzeugende Interpretation genießen. In gleicher Weise galt das für Danzón Nr. 2 des 1950 geborenen Arturo Márquez. Die Komposition wurde zu einem berührenden Musikerlebnis für Herz und Sinne, mal elegisch, mal erfrischend und hoffnungsvoll beschwingt – schlichtweg zum Dahinschmelzen. Und dann der Höhepunkt vor der Pause: das Konzert für Mundharmonika und Orchester von Heitor Villa-Lobos (1887–1959). Als glänzende Solistin des Abends begeisterte die Österreicherin Maria Wolfsberger, Pianistin, Organistin und Mundharmonikavirtuosin – ein echtes Multitalent. Ihr Spiel überzeugte durch makellose Technik und Ausdruckstiefe. Das beeindruckte Publikum bedankte sich mit lang anhaltendem Beifall. Oscar Edelstein, der 1953 in Argentinien das Licht der Welt erblickte, komponierte im Auftrag der basel sinfonietta das Orchesterstück „Cristal Argento I“, das erst vor einigen Wochen in Basel seine Welt-Uraufführung erlebte und am Dienstag im Franziskaner zum zweiten Mal zu hören war. Seine Komposition ist ein musikalisches Drama, das in die Abgründe der menschlichen Seele führt, in dem Angst, aber auch Hoffnung offenbar werden.
Südkurier
 
¡Huapango! fue el efusivo título que la Basel Sinfonietta le dio al concierto que ofreció el lunes último en Muziksaal, la principal sala de conciertos sinfónicos de esta ciudad. La función estuvo enteramente dedicada a la interpretación de obras de compositores latinoamericanos e incluyó el estreno de Cristal argento, una obra comisionada por la propia orquesta al compositor argentino Oscar Edelstein. La más joven e innovadora de las orquestas sinfónicas de una ciudad que respira música de la mejor calidad hizo una apuesta fuerte, inteligente y exitosa. Desde esta ciudad suiza, América latina podría reducirse a una imagen de estereotipado exotismo. Por el contrario, como bien señaló el programador de la Sinfonietta, Thomas Nideker: "Quisimos hacer un concierto con música latinoamericana con una dramaturgia propia, partiendo de una superficie brillante hacia un sentido más profundo".
Efectivamente, el concierto se inició casi como una broma sobre el máximo "lugar común" de lo que puede representar nuestro continente. Lo latino les dio pie a romper el protocolo del concierto clásico. La orquesta completa se integró a una especie de mambo sinfónico que, con el ingreso del director, el venezolano José Luis Gómez, se coronó con ¡cuatro bailarinas ataviadas con trajes típicos del carnaval carioca! Luego llegaron las obras propiamente dichas. En el comienzo fueron aquellas que abiertamente combinan ritmos típicos de diferentes países con el formato sinfónico. Así, pasaron Huapango y el Danzón N° 2 de Arturo Márquez. Del tono festivo, el primer viraje de la noche se produjo con una de las dos obras de Heitor Villa-Lobos incluidas, el Concierto para armónica y orquesta . Esta pieza, interpretada con maravillosa serenidad por la armoniquista austríaca Maria Wolfsberger, cerró la primera parte casi con un clima de intimidad e introversión.
Luego fue el turno de Cristal argento , una monumental creación de Edelstein. Para el público presente significó un claro cambio de lenguaje, asociado a una estética mucho más actual. En verdad se trata de una obra que, siendo un paso notable en la obra del compositor entrerriano, muestra una traslación a la orquesta de muchas de las ideas que estuvo desarrollando con su Ensamble Nacional del Sur, con el que trabaja en la Universidad Nacional de Quilmes desde hace 15 años. Estas ideas tenían, claramente, una aspiración orquestal. De este modo, contar con una agrupación como la Basel Sinfonietta le permitió dar rienda suelta a ellas de un modo espectacular. La obra propone una serie de trabajos con grandes bloques sonoros que atraviesan los diferentes grupos de la orquesta y, según el director Gómez, le recordaron a las obras de Ligeti. Sólo que en Edelstein la actividad rítmica y espacial es mucho más "agitada". También hay numerosos pasajes en los que la orquesta multiplica voces y tiempos, en un eco de Charles Ives. Ligeti y Ives, Europa y América como referentes reunidos desde el sur del continente. A toda esta riqueza de colores orquestales se le sumó el uso de procesamiento electrónico en vivo de la propia orquesta.
Un cálido aplauso del público, y la adhesión entusiasta de la propia orquesta y el director, coronó con éxito la apuesta de la Basel Sinfonietta y del propio Edelstein.
La nación

 

Medienecho "Das neue Babylon"

Aufgekratzt und wagemutig zeigte sich die basel sinfonietta, deren bereits viertes Stummfilm-Projekt mit Dirigent Mark Fitz-Gerald im ausverkaufen Zürcher Filmpodium einen grossen Erfolg feierte. Auch mit einer Uraufführung konnte man aufwarten: Erstmals erklang die für den Schluss des Films vorgesehene Musik - dieser wurde von der Sowjet-Zensur ebenso verbannt wie dreissig weitere Filmminuten. Die basel sinfonietta wird die rekonstruierte Musik zur Langfassung in den nächsten Wochen einspielen und auf CD vorlegen.
Tages-Anzeiger
 
Die Musik von Dmitri Schostakowitsch zum 1928/1929 in der Sowjetunion gedrehten Stummfilm "Das neue Babylon" wurde von der basel sinfonietta unter der Leitung von Mark Fitz-Gerald gespielt. Die basel sinfonietta präsentierte sich in bester Spiellaune, ihr zuzuhören war jederzeit spannend. Dass Schostakowitschs "Filmsymphonie" (wie er seine Musik selbst nannte) kein Glück beschieden war, lag an den ideologisch bornierten kommunistischen Moskauer Zensoren. Sie erzwangen eine weitgehende Umarbeitung des Films und damit auch der Musik. Doch immer noch nicht genug des Unglücks: Wenige Tage vor der Uraufführung drohten die Musiker und der Dirigent mit Streik, weil sie fanden, Schostakowitschs Instrumentation sei dilettantisch und seine Harmonik fehlerhaft. Doch es gab keine Möglichkeit mehr, etwas zu ändern, die Premiere fand am 18. März statt - und wurde ein Fiasko. Nicht aber die Aufführung am Montag! Sie endete im langen Beifall für die sinfonietta und ihren Dirigenten.
Basellandschaftliche Zeitung

 

Medienecho "SPEAKING MUSIC"

Konzertplanung heisst, künstlerische Ideen in den Taschenrechner ein zutippen, der darauf anzeigt, wie gross und gut diese noch sind - und dann doch ein bisschen mehr zu wagen. Die basel sinfonietta zeigte in ihrem Konzert vom Sonntag beides: eine Idee, SPEAKING MUSIC, und den Wagemut, daraus eines jener Programme zu entwickeln, für das ihr Name steht. Um den Werksauftrag an den Dichter und Rapper Raphael Urweider und den Komponisten Felix Profos gruppieren sich Ausschnitte aus Bergs "Wozzeck", Vogels "Thyl Claes" und Schönbergs "Survivor from Warsaw"sowie ein Tapestück von Herbert Eimert. Wie um Himmels Willen kommt man auf dieses sperrig-fantastische Programm! Als Schluss-Überraschung bringen die am Education-Projekt der basel sinfonietta beteiligten Jugendlichen einen mit Black Tiger erarbeiteten Rap auf die Bühne. Und den beklatsche das Abonnementpublikum hingerissen.
Basellandschaftliche Zeitung
 
Die Frage ist spannend: Wie haben sich Komponisten der letzten hundert Jahre des Sprechgesangs bedient? Und wie passt dazu der Rap?
In seiner Oper "Wozzeck" (1914-1922) verwendet Alban Berg mehrere Zwischenstufen von gesprochenem und gesungenem Wort. Im aufwühlenden Klang der sinfonietta unter Jonathan Stockhammer eingebettet, singensprechen Karl-Heinz Brandt und Wolfgang Newerla den Hauptmann und den Wozzeck expressiv und mit exzellenter Textverständlichkeit. Über die Sprache wird Wozzecks Schicksal plastisch und berührend.
Politische Kundgebungen inspirierten den Kommunisten Wladimir Vogel zum Stilmittel der Sprechchöre, das er in seinem epischen Oratorium "Thyl Claes" (1938-1945) verwendet. Auch hier wird deutlich, was Sprache kann: Kalt läuft es einem über den Rücken, wenn der Cantate-Basel-Kammerchor erzählt, wie der sadistische Infant Philipp Hunderten von Fliegen die Köpfe an den Fensterscheiben zerdrückt.
Für "Real Fire" transferieren Komponist Felix Profos und Texte Raphael Urweider Büchners "Woyzeck" ins Heute. In Vier Stücken rappt Urweider alias Bidrmaa - berndeutsch und unterstützt von Nino Bürgi alias El Nino - vom Frust des Outcasts, von einer Traumfrau, vom Hass auf den Vater und von schnellen Autos.
Der Bund
 
Dunkle Welten gab es in diesem pausenlosen Eineinhalbstunden-Programm zu durchwandern. Da galt es den fatalen Weg eines gemobbten Kasernen-Faktotums zu begleiten (Eröffnungs- und Schluss-Szenen aus Alban Bergs "Wozzeck"). Da attackierten den Hörer ganz unvermittelt die bedrängenden Themen Macht und Krieg, Unfreiheit und Mord (Szenen aus Wladimir Vogels Ulenspiegel-Oratorium "Thyl Claes", Arnold Schönbergs "Ein Überlebender aus Warschau"). Da war plötzlich die Fukushima-Katastrophe präsent - in Gestalt eines schon um 1960 entstandenen Nachrufs auf einen durch Radioaktivität verstrahlten japanischen Fischers (Herbert Eimerts Sprachkomposition "Epitaph für Aikichi Kuboyama"). Daher berührte es ganz besonders, dass sich im zweiten der Stücke von Felix Profos, einer Rap-Uraufführung der basel sinfonietta, so etwas wie lyrische Intimität einstellte und die Texte leicht und locker in den Saal strömten.
Basler Zeitung